ruthwitts Tagebuch


Die Darmspiegelung

Letztens dachte ich mir, dass mein Sexualleben ein bißchen Shades-of-Grey-Auffrischung bräuchte. Ich dachte mir- was könnte ich Perverses machen? Da fiel es mir ein: Eine Koloskopie. Zumindest manche Männer empfinden die Untersuchung durchaus als anregend. Ich trinke also mehrere Liter der komischen Lösung und spritze alles heraus, was geht. Da geht echt viel. Nach der Entleerung des Darms pinkelst du pausenlos aus beiden Löchern, bis sie dich endlich holen. Scheinbar bin ich- das wollten sie mir aber nicht glauben- ein besonderer Fall in der Medizin. Das hat bei ausufernden Bierrrunden durchaus seine Vorteile, aber bei angeblich schmerzfreien Untersuchungen seine Nachteile. Bei mir wirkt das Betäubungs-Zeug einfach nicht. Irgendwann, Tage später, schon ein bißchen, aber was hat das dann noch für einen Sinn? Jedenfalls mache ich jetzt Bekanntschaft mit Dr. Erbarmungslos und Dr. „Das tut doch nicht weh, seien Sie ruhig“. Sie lähmen mich also angeblich mit einem Betäubungsmittel, das mich weder beruhigt, noch schmerzunempfindlich macht- es wirkt ja nicht bei mir. Ich versuche, denen zu erklären, dass sie den verdammten Schlauch, der mir in der Dimension vorkommt, als würde man ihn zum Kühe-Melken verwenden- gefälligst nicht da reinstecken sollen, weil ich schreckliche Schmerzen habe. Aber so ist das halt bei Sado-Maso und ich wollte ja was Perverses. Ich bin also nackt, gefangen auf diesem Tisch und denen hilflos ausgeliefert. Er steckt das Schlauchilein rein und ich schreie vor Schmerzen. Ich bin ja nicht betäubt und was Spaß macht, wenn man mit Freunden was trinken tut, ist hier weniger spaßig. Ich will eigentlich raus und weg, aber der Schlauch ist schon drin und ich sage Ihnen- geil ist anders und schmerzfrei ist auch anders. Bewegen ist derweil nicht empfehlenswert, denn es kann schon die kleinste Regung den Darm oder andere Organe perforieren. Ich schreie also weiter, während Dr. Erbarmungslos und Dr. „Das tut doch nicht weh“ immer weitermachen, obwohl ich vor entsetzlichen Schmerzen schreie und „aufhören, bitte aufhören!“ rufe. Shades of Grey war gestern- Koloskopie ist das neue Sado-Maso-Ding. Dr. „ich schlinge mich durch jedes Hindernis“ macht weiter seine Arbeit und ich sage Ihnen: Alle SM-Fans wären hier auf ihre Kosten gekommen. Wahrscheinlich hat der Idiot von Arzt sein Medizinstudium in Tante Bertas Metzgerei gemacht. Die beiden Vollpfosten fragen sich nicht einmal, was da nicht stimmen könnte, weil es ja wehtut, obwohl es das nicht sollte und weil ich schreie, wie am Spieß. Dr. Erbarmungslos macht seine Sache bis zum bitteren Ende. Er findet Schläuche in Hintern stecken einfach geil und abgemacht ist abgemacht! Bei Sado-Maso-Spielen gibt es ja wenigstens ein vereinbartes Zeichen, wenn man nicht mehr will, aber ich bin hier auf einen echten Profi gestoßen und der findet es geil, wenn du „bitte aufhören!“ schreist. Wenn du dann die super Komplikationen nach dieser angeblich völlig unauffälligen Koloskopie hast, ist Dr. Erbarmungslos aus dem Schneider. Er hat ja nur seine Arbeit gemacht. Oder doch nicht?

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