Leben und Tod


Mit dem Tod sollte man sich nicht so einfach abfinden. Genausowenig mit dem Leben. Beides ein Kampf, dem man sich immer aufs Neue stellen muss- manchmal ganz allein.

Die Gutbürger

Wenn man des Abends unterwegs ist, trifft man oft auf junge Menschen, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Nach ein paar Bier erzählen sie einem die Frustration über das heuchlerische Gutmenschentum, über Söhne und Töchter von Fernsehgestalten, die so tun, als wollten sie helfen und sich dabei nur in Szene setzen. Letztens eine Geschichte über ein Roma-Mädchen, das dank Spenden operiert worden ist. Es kommt unseren Leuten so vor, als ob diese Medien das Elend, das vor unserer Haustür ist, verschleiern wollten. Ich spreche diese darauf an, dass sie als gesunde junge Menschen mit einer Knochenmarkspende oder einer anderen Spende sehr viel Gutes tun könnten. Doch diese Menschen würden das nur tun, wenn sie wüssten, an wen sie spenden. Dieses ganze Verheimlichen des Spenders aufgrund von Vorurteilen ist ein absichtlich falsch interpretierter Humanismus, der viele dazu bringt, Menschen in der Dritten Welt für hundert Dollar lebendig zu zerfleischen. Ich persönlich will wissen, an wen meine Spende geht. Und das geht den meisten so. Man könnte Millionen Nierenkranken und Leukämiekranken helfen. Die Obrigkeit, unser Staat, tut so, als wären wir alle Nazis, die aufgrund von Hautfarbe entscheiden, wer unsere Spende bekommt. Eine Organ- oder Knochenmarkspende ist ein Opfer, das medizinisch gesehen sehr viel effektiver ist, wenn der Spender und der Empfänger sich kennen. Viele Millionen Leiden könnten geheilt werden, wenn die Heuchelei des Staates die Spender nicht dazu zwingen würde, einem anonymen Etwas eine Spende zu geben. Ja, viele derer, die ich kennenlernte, wären zu Hundertprozent bereit gewesen, ihre gesunden Zellen an einen Menschen zu geben, den sie kennenlernen. Also ziemlich viele Tode umsonst. Schade, nicht wahr?

Palliativmedizin- die Kapitulation

Wer war schon einmal in einer Palliativstation spazieren? Nur die Halbtoten. Und die waren dank der fesselnden Zugänge an ihre Todesbettchen gefesselt. Ich persönlich sehe die Palliativmedizin und ihre „Verbesserung“ als eine Kapitulation der Medizin. Wenn man da so herumwandelt, sieht man bezahlte Seelsorger und Infusionsgeber. Und Angehörige, die ab und zu einmal auftauchen, um beteiligt zu schauen, ob der Patient endlich tot ist. Schon in Ordnung, wenn der Mensch so an die hundert Jahre alt ist. Etwas verstörender, wenn jüngere Menschen dort hingekarrt werden, um gestorben zu werden. Wer nicht an eine solche Station gefahren wurde, hat keine Ahnung, wie es ist, auf der Todesliste zu stehen und gezwungen zu sein, seine letzten Tage mit Leuten zu verbringen, die Geld an einem verdienen, weil man am Sterben ist. Palliativmedizin? Lasst euch doch nach Jamaica fliegen und zieht euch dort ein ordentliches Joint-Törtchen herein! Ja, wer weiß- vielleicht bringt euch das versehentlich sogar auf die Beine? Palliativmedizin ist wie Hartz-IV- die Kapitulation vor dem eigenen Schicksal, dem man aufgrund einer Manipulation durch die Gesellschaft ergeben ist. Wie kann es im Westen überhaupt eine Palliativmedizin geben? Ist es nicht eher so, dass wir uns von der Gesellschaft sagen lassen, wann und wo und vor allem wie wir zu sterben haben? Unter Überwachung des Staates in jeder Lebenssekunde? Wir können uns leider nicht aussuchen, wer uns behandelt. Und dann geraten wir unter die Räder der Selbstverständlichkeit des Todes. Das Einzige, was uns helfen kann, ist ein beherzter Arzt, der an unser Leben glaubt und nicht an unseren Tod. Und die sind in unserem Mehrwertsystem wirklich rar gesät.

Happy Halloween

Haben Sie sich schon einmal den Tod angeschaut? Ich schon. Da ist nichts. Nur der Tod und nichts. Träumen Sie sich nichts zusammen. Da ist nichts. Sie sollten alle Vorkehrungen treffen, dass Sie nicht sterben, bevor Sie das wollen. Und vor allem- bevor Ihre lieben Kinder nicht sterben, bevor sie das wollen. Passen Sie auf Ihre Kinder auf. Sie sind schutzlos. Ausgeliefert. Alle, die nicht auf ihre Kinder aufpassen, sind mitschuldig. Sie sollten wissen, wo Ihre Kinder sind. Dass nicht so ein perverser Frauen- und Mädchenmörder sie in einer Truhe verrecken lässt. Passen Sie auf Ihre Kinder auf. Und wenn es schlampige narzisstische Elternteile verabsäumen, das zu tun, sind wir gefragt. Jedes Kind, das so getötet wird, ist unsere Schuld. Weil wir damit nichts zu tun haben wollen. Weil die ja eh alle nett sind. Wer einen Menschen verloren hat, schreibe hier. Es ist wichtig, dass jedes Opfer, das so einem Perversen in die Hände gelangt, benannt wird, und vor allem sein Täter. Natürlich gilt für alle die Unschuldsvermutung?