Profanes


Weißwein

Mein Mitbewohner hat früher gern etwas mit Weißwein gekocht. Als ich damals im Supermarkt einen Weißwein „im Angebot“ sah, kaufte ich gleich mehrere Flaschen. Keine Ahnung, warum. Ach ja, weil irgendwelche blöden Gäste auch einmal einen Weißwein wollten. Jetzt steht dieser Weißwein schon ein paar Jahre im Regal herum, denn wir haben keine Gäste mehr, die Weißwein wollen und mein Mitbewohner hat aus irgend einem Grund aufgehört, mit Weißwein zu kochen. Was tun mit dem Zeug? Warum zum Teufel gibt es überhaupt Weißwein? Den will doch keiner trinken! Oder doch? Ich gehe ja schon deswegen nicht gern auf unsrige Weinfeste, denn Heurigen gibt es nur in Weiß. Wem schmeckt denn Weißwein? Das ist doch eigentlich gar kein Wein, oder? Ich habe leider niemanden, dem ich diesen blöden Wein weitergeben kann und werde ihn wohl ins Klo leeren müssen. Oder irgendjemandem verschenken, den ich nicht mag, so, wie das alle machen!

Der angebliche Traumurlaub

Sie kennen das: Wenn man eine fixe Idee im Kopf hat, die dort ewig steckenbleibt und einen verfolgt. ruthwitt hat viele solcher fixer Ideen- besonders unnötige Sachen bleiben mit superfestem Kleber in meinem Gehirn eingeklebt und suggerieren mir, sie seien ein zu realisierender Traum oder ein Ziel, das man unbedingt erreichen muss. Eine solche fixe Idee von mir war eine Kreuzfahrt. Seit ich mehrere Artikel über Kreuzfahrten gelesen hatte, war ich überzeugt, dass es keinen traumhafteren Urlaub geben konnte als auf einem Schiff. Ja, so auf der Aida durch die Karibik cruisen, mit einer Handvoll Leuten an der Bar sitzen und Drinks genießen und sich dann den Bauch mit Köstlichkeiten vollstopfen, die es sicher in den diversen Kreuzfahrtschiffs-Restaurants all inclusive gibt. Meine Mitbewohner machten sich lustig über mich- ich, ein sonst eher skeptischer Mensch, glaubte doch tatsächlich den Käse, den sie in den Werbeartikeln über Kreuzfahrten schrieben! Sie zeigten mir Mal ein paar realistische Beiträge über Kreuzfahrten und ich war entsetzt. Deswegen nennt sich die Journaille auch Lügenpresse! Wie können die einem einen Werbebeitrag als Artikel verkaufen? Als ich die wie Tiere in der Massentierhaltung zusammengetriebenen vor dem Einchecken aufs Schiff in der gleißenden Sonne stundenlang warten sah, wie sie nachher zu hunderten um einen winzigen Swimming Pool, wo fünf Leute drin waren, standen und denen zuschauten, wie dieselben hunderte sich in winzige Selbstbedienungs-Restaurants mit Schweinefutter quetschten, wie niemand irgendwo wirklich viel Platz an der Sonne bekam, wie dreckig und veraltet und beengt dort alles war, verging mir die Lust auf eine Kreuzfahrt, die sich Leute wie ich leisten konnten. Dann fiel mir auch ein, dass ich es in einem Flugzeug kaum zwei oder drei Stunden mit anderen Affen zusammen eingepfercht aushalte- und hier musst du das vielleicht zehn Tage tun?! Aber ich schwöre- der eine Artikel vom Autoclub- der verbreitete so eine chillige Stimmung! Alles war so entspannt! In den besten Häfen hat man die schönsten Sachen gesehen- und das alles für so wenig Geld! Ich werde jedenfalls nicht so bald wieder eine Zeitschrift aufklappen, um deren zusammengelogene Geschichten in meinem Gehirn zu einer fixen Idee werden zu lassen!

Der Bierpass

Miese Gasthäuser, die es nötig haben, verteilen Bier-Pässe. Das sind so Zettel, die gestempelt werden, bis man nach plus minus zehn Bier ein Freibier bekommt. Ich bin da skeptisch. Vor allem, weil man in gewissen Schenken, die nichts zu essen, sondern nur zum Saufen anbieten und damit viele geistig instabile Menschen ins Alkoholiker-Elend stürzen, eh dauernd vom Barkeeper angefixt wird, ob man noch was trinken wolle- ob man dann noch verkehrstüchtig ist, ist denen wurscht. An wen richtet sich so ein Bier-Pass? Ist das nicht eine Anzucht von Hobby-Alkoholikern, die noch am gleichen Tag ihr Freibier bekommen wollen?

Gold oder nicht Gold, das ist hier nicht die Frage

In letzter Zeit scheint immer wieder auf den Seitenleisten meiner Suchmaschinen und E-Mail-Fenster Werbung für Goldanlagen auf. Egal, in welcher Form, man muss Gold kaufen. Oder alles, was man hat, in Gold anlegen, denn der Euro werde zugrundegehen. Na ja. Wenn der Euro zugrundegeht, kannst du einmal versuchen, mit einem Goldbarren etwas zu kaufen- oder besser noch, mit Gold-Anlagen! Versuch Mal, damit deine Miete zu bezahlen oder andere Unkosten! Ist halt ein bißchen kurzsichtig, sich einzubilden, dass, wenn eine Wirtschaft zusammenbricht, man als ganz normaler Mensch ohne riesiges Vermögen irgendwas mit einem Stück Gold anfangen kann. Man sieht ja in Venezuela, was passiert, wenn eine Ordnung zusammenbricht- da kommen Sie mit Ihrem Gold auch nicht weit! Ob richtiges oder falsches Gold- der Glaube daran ist entscheidend und wenn die Menschen einmal verstehen, dass es sich lediglich um einen Rohstoff und nichts weiter handelt und wir seinen Wert uns nur einbilden, wird es zu einer ernsthaften Gold-Krise kommen- da braucht man nicht erst die Freimaurer und Alchimisten dazu!

https://www.youtube.com/watch?v=nk-dBkcQ9hw

Der Unterwäsche-Gutschein

Ein namhafter Unterwäschevermarkter sagt, ich soll meine Unterwäsche spenden. Wenn ich drei Mal gespendet habe, bekomme ich 10 Euro Bonus. Das hört sich doch nach einem guten Geschäft an. Andererseits- nehmen die alles? Ich meine- es tut doch keiner heile und noch tragbare Unterwäsche weggeben- und was tun die mit zerrissenen BHs und Unterhosen? Die können sie ja dann nicht mehr in Afrika weiterverkaufen- also wohin geht die desolate Unterwäsche? Ist das wirklich so umweltfreundlich? Wie auch immer, beim genaueren Lesen des Spende/Gutscheinprospekts sehe ich, dass ich bis zu zehn Euro Bonus kriege- und das erst nach dem Erfüllen von diversen Bedingungen, was den Bonus völlig wertlos werden lässt. Ich muss nämlich zuerst einen Haufen überteuerter Unterwäsche kaufen, bevor ich den Bonus einlösen kann und Letzteren darf ich nicht auf reduzierte Ware verwenden, was dann die Frage aufwirft, ob das dann noch ein Bonus ist? Kennen wir das nicht alle- bevor die einem etwas nachlassen, denken sie sich einen Phantasie-Ursprungspreis aus, so dass man sich unglaublich beschenkt fühlt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Kleiderketten wirklich so gutherzig sind- die verkaufen doch diese Unterwäsche-„Spenden“ weiter und wir müssen brennen, bevor wir das angebliche „Geschenk“ bekommen!

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