ruthwitt unterwegs


Auf vier Rädern und zwei Beinen, manchmal auch in Flugzeugen, Zügen und Bussen voller geistiger Unterschichten, die sich wie Tiere verhalten und ein vordergründiges Ziel haben: zivilisierten Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Personalisierte Berichte über Erfahrungen der unangenehmen Art- wie man sie auch auf Reisen nicht gerne hat.

Das Quality Low Cost Hotel vs Saufvandalen

Es war ein wirklich schönes, neues, gut gelegenes und günstiges Hotel bei Barcelona. Parkplatz, gute Busanbindung an die Stadt, ein Einkaufszentrum direkt daneben. Man konnte sich nichts Besseres wünschen. Es war so ein fabelhaftes Hotel, wie man es selten auf Reisen sieht- und schon gar nicht zu einem günstigen Preis. Wir verbrachten den Silvester in Barcelona und da war das Hotel ideal. Auch wegen der direkten Busanbindung an den Placa de Catalunya- und zwar bis in die Nacht hinein. Doch eines störte mich gleich, als wir am Nachmittag im Hotel ankamen: Die Saufvandalen. Der Fahrstuhl und einige andere Teile der Einrichtung, die völlig neu waren, waren durch Vandalismus offensichtlich erst vor Kurzem bzw. an dem Tag beschädigt oder demoliert worden. Britische, amerikanische und internationale Saufvandalen nutzten den günstigen Preis des neuen, schönen, sauberen Hotels, um es so bald wie möglich zu einer Bruchbude werden zu lassen. Gegen Wände und Einrichtungsgegenstände zu treten oder sich zu werfen und Flaschen dagegenzuhauen- ein Hobby der internationalen Saufvandalen. In den Fahrstühlen war ziemlich viel hin- wie Spiegel oder Verkleidungen. Mir blutete das Herz, denn ich habe in wirklich miesen Absteigen, die nicht mehr waren als ein Kerker oder eine Kloake, in Barcelona absteigen müssen und ich verstand nicht, was das für eine Sorte Mensch ist, die ein schönes Hotel nicht zu schätzen weiß? Ich habe übrigens aufgrund des Vandalismus im Hotel, weil ich auch sah, dass von diesen Besoffenen bereits Türen von Zimmern eingerannt worden waren, meine Wertsachen in die Handtasche verstaut und mit in die Stadt genommen, wo sie geraubt worden ist. Ohne die Saufvandalen hätte ich sicher nicht diese ganzen Sachen in der Handtasche gehabt. Vielen Dank auch, ihr internationalen Barbaren.

Die Ost-Polizei

Wenn man nach Polen verreist, befällt einen oft noch die Ostblock-Nostalgie. Ich nenne sie eher Ostblock-Frustration. Im Osten ist eben vieles noch anders. Ja, die Polizei zum Beispiel ist einem im Osten nicht geheuer und jedes Mal, wenn ich denke, dass dies nur Vorurteile seien, von denen man sich lösen sollte, weil Polen ein zivilisiertes Land und doch in der EU sei, werde ich davon überzeugt, dass die Staatsgewalt in Polen Menschen grundlos schikaniert. Wir fahren also auf der E 67 (via Baltica) durch eine Stadt und biegen an einer  Weggabelung ab. Zumindest wollen wir das. Wir halten uns brav an die 70 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeitsbegrenzung. Wir haben uns auch über die Scheinwerferpflicht am Tag informiert und haben Stadtlicht an, da im offiziellen Reiseführer steht, dass dies am Tag und in der Stadt im persönlichen Ermessen des Autofahrers liegt und bei guten Sichtverhältnissen auch dieses Licht verwendet werden kann. Die Polizisten messen eigentlich Tempo und haben uns herausgewunken, während Dutzende LKW und PKW mit Tempo 100 dort vorbeirasen. Das Tempomessen hat dank uns aufgehört und alle Polizisten beschäftigen sich jetzt mit der Schikane von uns. Wir sollen die Dokumente herausgeben und aussteigen. Dann beginnt der wortführende Polizist gleich, gemeinsam mit einem Kollegen einen Strafzettel zu notieren. Wir seien mit Standlicht am Tag gefahren, während Abblendlicht Vorschrift sei. Während dieser Zeit, die ca. 45 Minuten in Anspruch nimmt und uns einen saftigen Strafzettel kostet, fährt an dieser für Verkehrstote berüchtigten Abbiegung, in der Tempo 70 erlaubt ist, ein Fahrzeug nach dem anderen, inklusive LKW, mit Tempo 100 vorbei! Aber wir, die aus dem Westen mit dem westlichen Kennzeichen, sind willkommene Opfer. Wir sind bekannt dafür, immer höflich zu sein und uns nicht gegen die Obrigkeit oder Schikane zu wehren. Wir machen alles brav mit, auch wenn es falsch ist. Unser Hotel ist übrigens nicht einmal fünfzig Meter entfernt und wir sind völlig kaputt. Wir freuen uns sehr, hier von diesen Blaumännern kurz vor dem Ziel grundlos schikaniert zu werden. Vielleicht haben wir uns in den Reiseinformationen verlesen? Haben wir nicht! Wollten wir uns mit den polnischen Beamten auf die Polizeiwache begeben, uns mit dem vollbepackten Auto einem Schikane-Filz ausliefern und vielleicht noch einen grundlosen Strafzettel für falsches Bepacken oder den Mangel an Scheibenreiniger riskieren? Nein! Das von allen Autofahrern außer uns überhöhte Tempo in der Kreuzung wurde also nicht mehr gemessen und wir, die sich als Einzige an das Tempo gehalten haben, versüßten fast eine Stunde lang den netten polnischen Polizisten durch einen grundlosen Strafzettel, ihnen völlig ausgeliefert, den Tag. Auch bei „falschem Licht“, was bei uns laut den angegebenen Vorschriften nun einmal auch nicht der Fall war, wäre so ein „Tatbestand“ im Westen schlicht mit einer Verwarnung „sanktioniert“ worden, wenn überhaupt. Schikane und Willkür von der Polizei ist einer der Gründe, warum dieser in vielerlei Hinsicht noch retardierte, autoritäre Osten nicht in der EU sein sollte, solange eine solche Praxis bei den Behörden vorherrscht. Wir konnten unseren Augen nicht trauen, als wir einen LKW nach dem anderen vorbeirasen sahen, während die Polizei sich zwei sprachunkundige, landfremde Opfer ausgesucht hat, die nichts verbrochen hatten. Reisende aus dem Westen sind bei dieser Art von Polizeischikane sehr beliebt, denn sie sind sehr angenehme Opfer und lassen alles mit sich machen. Zumindest kann ich mir vorstellen, dass die Osteuropäer da schon ihre Tricks drauf haben und es der Polizei nicht so leicht machen, einfach Kasse zu machen- dafür stehen ja unsere offenen Börsen bereit.

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