Dr. Frust

Wenn ich zum Arzt gehe, dann ärgere ich mich nur- das Wartezimmer voll von Leuten, wo ich beim Großteil vermute, dass das alles nur Simulanten sind. Genau das Gleiche denken die bestimmt von mir. Ich kann gar nicht behaupten, dass irgend ein Arztschwund bei uns feststellbar ist, aber die Praxen und Wartezimmer werden immer voller und das ist in Corona-Zeiten noch schlimmer als sonst schon. Woran das wohl liegt? Na ja- wahrscheinlich daran, dass manche Leute immer älter werden und- anstatt, dass sie sterben, sich dauernd wegen irgend etwas behandeln lassen, um noch älter zu werden. Nicht alle werden alt und bleiben dabei gesund- außer so Gesellschafts-Schmarotzer wie die „Royals“ und Leute, die von einem Vermögen leben, zu dem ihre Vorfahren durch Gewalt und kriminelle Ausbeutung gelangt sind. Der „einfache“ Mensch, der Arbeiter, hat es nicht leicht- das merkt man bei den „Doktors“. Das letzte Mal war ich vor mehreren Wochen (ziemlich viele) beim Arzt und obwohl ich- wie viele andere Frustrierte und COVID-Zweifler- wieder einmal hinmüsste, hat mich die Corona-Situation und wie mit ihr umgegangen wird so fertiggemacht, dass ich entschieden habe, mich von Internet-Selbsthilfe-Medizinseiten beraten zu lassen und mich selbst zu behandeln. Die vergangene Arzt-Experience hat mir das Letzte gegeben: Ich komme also zum angegebenen Termin. Da wird mir am Empfang gesagt, das dauere mindestens noch eine Stunde, aber eher zwei und ich könne also noch wo hingehen, denn das Wartezimmer soll ja möglichst dünn besiedelt sein und die Leute irgendwohin weggescheucht werden. So: Was mache ich jetzt? Nach Hause sind es mehrere Kilometer- soll ich die mangels einem anderen Beförderungsmittel zu Fuß zurücklegen und dann wieder hin, nur, um zu erfahren, dass ich „zu spät“ bin? Geschäfte und Restaurants haben zu und was soll ich im Supermarkt- einkaufen, damit ich die Sachen dann im Wartezimmer vergammeln lasse? Ich warte also- wie viele meiner Leidensgenossen, vor der Tür, draußen, bei winterlicher Kälte. Es ist kein schöner Tag, aber wir warten alle. Ich über eine Stunde. Wirklich weit über. Nix anderes zu tun, außer sich blöd um die eigene Achse zu drehen und die LKW und Autos auf der danebenliegenden Schnellstraße zu beobachten und ihnen zu lauschen. „Frische“ Luft hat ja noch niemandem geschadet. Irgendwann schummele ich mich ins Wartezimmer- ich kann nicht mehr stehen und mir ist zu kalt. Zwischendurch höre ich öfters den älteren Herrn neben mir- er wartet schon seit über drei Stunden. Er sagt immer wieder: „Sie haben mich vergessen.“ Ich werde endlich aufgerufen. Ich schaue zu dem Herrn. Er schaut mit einem verzweifelten Blick zu mir und in den Raum und sagt wieder: „Sie haben mich vergessen.“ Als ich nach meinem Kurzbesuch die Praxis verlasse, sitzt der lange wartende Herr immer noch da. Ich weiß, dass die Ärzte viel zu tun haben. Aber ist das nicht schon eine beängstigende Entwicklung wie beim Arbeitslosengeld? Wird es bald nur mehr Medizin gegen Bares geben? Sind diese ganzen Anzeichen, die doch ein jeder erkennen muss, nicht bereits Botschafter einer gnadenlosen Umstrukturierung des Sozialstaates? Wo nur mehr die Armen sich in unüberschaubaren Massen in wenigen staatlichen Versorgungszentren sammeln? Anfangen tut es ja mit Zuzahlungen und mit der schieren Ignoranz gewisser Beschwerden und Symptome durch Kassenärzte. Ich kenne sogar einen aktuellen Fall. Weil seine Beschwerden jahrelang ignoriert bzw. schöngeredet wurden, konnte er am Ende nichts mehr essen und ein paar Organe sind draufgegangen. Wenn du Kasse bist, hast du noch die beste Behandlung, wenn du schon am Sterben bist. Sonst bist du echt schlecht dran. Läuft dieses ganze Frustspiel eigentlich auch ab, wenn man sich für viel Geld bei einem Privatarzt behandelt läßt? Immerhin- eine Kuh, die man lange und ausgiebig melken kann, sollte man ja so bald wie möglich anzapfen und nicht zu lange warten lassen- sonst geht der Privatpatient zum „besseren“ Arzt, der ihn noch schneller drannimmt und der sich noch viel mehr für die möglichen medizinischen Auffälligkeiten des „Opfers“ interessiert. Alle werden jetzt noch mehr durch die Panik-Medien verunsichert, die einen glauben lassen, man bräuchte so etwas wie einen moralischen Anspruch, um zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen und dürfe wirklich nur bei lebensgefährlichen Symptomen medizinische Einrichtungen aufsuchen. So siechen viele vor sich hin, denen sicher gut geholfen werden könnte, aber Corona macht es dem unwilligen Sozial/Gesundheitssystem noch leichter, das unerwünschte Schnorrer-Pack von Leistungen fernzuhalten.

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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Eine Antwort zu Dr. Frust

  1. payoli schreibt:

    Ach, da bin ich ja gleich noch froher, schon über 25 Jahre keinen Arzt mehr gesehen bzw. gebraucht zu haben … 😉

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