Radieschen vs Jungzwiebel

Sie kennen das: Man geht in den Supermarkt einkaufen und als erstes leuchtet einen all das unnatürlich glänzende und pralle Gemüse und Obst an: Kauf mich, ich bin gesund! Mein Mitbewohner bringt öfters Radieschen mit- nicht nur, weil das Fernsehen einem das als gesund einredet mit irgendwelchen Bitterstoffen, dank deren Vermeidung unsere Vorfahren nicht an verfrühtem Gifttod verstorben sind, sondern auch, weil sie so rot und gesund ausschauen. Ich behaupte, dass das nur von der Farbe kommt, die wir mit etwas Leckerem in Verbindung bringen, obwohl Radieschen nur bitter und voll von Wasser sind- genauso wie so manches andere Unkraut. Wären die Radieschen braun wie Kot- niemand würde sie kaufen! Da könnte man noch so sehr von Bitterstoffen und „gesunden“ Säuren reden! Natürlich sind die Radieschen, wie jedes Mal nach dem Einkauf, in unserem Gemüsefach vergammelt, denn wenn die Herren heimkommen, vergeht ihnen flugs das Interesse an dem vermeintlich gesunden Unkraut und sie wollen etwas Anständiges essen, während die Mitbewohnerin nach dem Feststellen des Vergammelungsgrades der Radieschen vorwurfsvoll gefragt wird: Warum isst du keine Radieschen? Na, zum Beispiel, weil Menschen mit gewissen Erkrankungen die Finger von diesem Zeug lassen sollten, weil es sie aufgrund dieser wunderbaren sauer-Bitterkeit von dem Unkraut und seiner Faserigkeit unter Umständen in die Notfallaufnahme bringen könnte. Auch, weil das Essen von Unkraut Geschmackssache ist und ich offen zugebe, dass ich es nur als bitteres, wasserhaltiges Unkraut betrachte, dem sogar die Nacktschnecken aus dem Weg gehen. Selbiges gilt übrigens für den Jungzwiebel, den die Discounter einem dauernd anpreisen, als wäre das echte Nahrung und als könnte man damit etwas anfangen- 80 Prozent von dem Zeug sind doch Abfall- gar nicht zu reden von der Pestizid- und Nitrathaltigkeit von dem ach so gesunden Jungzwiebel. Nur weil das Zeug Jungzwiebel heißt, hat es doch noch lange nichts mit der Vorstellung zu tun, dass es einen jung hält, was aber meinen Mitbewohner nicht davon abhält, schon wieder mit einem Strauß Jungzwiebel vom Discounter heimzukommen und ihn im Gemüsefach vergammeln zu lassen und wenn ich frage, was er damit vorhat, heißt es „Ich mache schon was daraus“. Nach ein paar Tagen mache ich, nachdem der „Jungzwiebel“ zu welken und zu stinken angefangen hat und zu einem „Altzwiebel“ geworden ist, eine feine Garnitur für meinen Komposthaufen daraus, aber dafür die ungute Beziehung von Discounter und Turbolandwirtschaft zu fördern kommt mir irgendwie nicht richtig vor! Und was die Schärfe, Säure und Faserigkeit von diesem Zeug angeht, steht es den Radieschen in nichts nach und dieses dauernde Gefasel von unseren TV-Gesundheitsexperten, was diese „gesunden“ Gemüsesorten alles enthalten, so als ob jeder Mensch das gleich gut vertragen würde und sich hereinstopfen müsste, kann ich nicht mehr hören! Am Ende kommt übrigens richtiges Essen auf den Tisch und das gesunde Gemüse von den Riesen-Agrarfirmen, die in Rumänien ihr Unwesen treiben, verrottet liebevoll auf dem Haufen, wo schon seine Vorfahren liegen.

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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