Die Klofrau

Im Lieblings-Biergarten meines Vertrauens fühle ich mich belästigt. Die Klofrau dort hat es auf mich abgesehen. Ich weiß nicht, warum sie mich immer so fertigmacht. Und sie hat es scheinbar allen ihren Kollegen gesagt, dass sie mich mit aufgerissenen Augen anstarren sollen und mich mobben sollen. Sie sind unzufrieden, weil ich ihnen kein Geld ins Schälchen gebe. Alle machen es- ich mache es nicht. Ich finde das eigentlich genauso unpassend, wie Trinkgeld. Und zwar nicht, weil ich gierig bin, obwohl ich nun wirklich nichts zu verschenken habe. Ich bin eine ziemlich kommunistisch-sozialistische Seele und finde, dass man durch solche Trinkgeld-Schälchen auf den Toiletten mit den dazugehörigen lästigen Klofrauen auf eine sehr ungute Weise Sozialstandards unterwandert. Denn anstatt dass die vereinigten „Klofrauen“ dieser Welt in unseren großen Städten Protestmärsche veranstalten, weil sie von dem Geld, das sie bei ihrer Arbeit verdienen, gar nicht leben können und das in unserem Jahrtausend ein Skandal ist, schieben sie ihre Schälchen hin und erpressen mich moralisch. Auch, wenn ich zu viel Geld übrig hätte, sehe ich aber nicht ein, dass ich als Kunde des Lokals, in dem ich, wenn ich schon einmal aus meinem Wohnloch krieche, auch sehr viel von meinem kargen Einkommen lasse, für die Benutzung des Inventars des Lokals dazubezahlen muss? Und zwar auf einer intellektuell fragwürdigen Basis der Freiwilligkeit und des eigenen Ermessens, wenn es darum geht, wie viel Geld ich dalasse! Dann sollen sie gleich alle hinschreiben: Klobenützung: 1 Euro (ist für mich sehr viel Geld). Wie bei den Sanifair-Toiletten, die sich selbst reinigen, weiß man dann, worum es geht. Und trotzdem bleibt dann die Frage, wie es sein kann, dass dieses Reinigungspersonal in einem zivilisierten Land mit Mindestlohn offenbar nicht genug verdient und sich mit Geld-Schälchen verdingen muss?

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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Eine Antwort zu Die Klofrau

  1. Elisabeth Berger schreibt:

    Wer diesen wirklich beschissenen Job macht, so denk ich mir, lebt sicher nicht in Glück und Wohlstand. Wenn ich mir manche Toiletten ohne Klofrau ansehe, kommt mir das Würgen und ich verhalte mein Bedürfnis (wenn irgend möglich) bis daheim. Weil also viele Menschenschweine solche Klos abartig verdrecken, braucht’s eine Klofrau…..oder Sanifair. Bezahlt werden Klofrauen manchmal gar nicht und sie leben nur vom Schälchengeld. Klar, daß die Vereinigung aller Klofrauen auf die Straße gehen könnte und Rabatz machen. Aber bringt’s was? Sicher nicht!
    Deshalb werf ich immer was ins Schälchen, weil im System ändern tut’s nix, aber die Klofrau geht abends mit ein paar Euro mehr nach Hause. Wenn’s ein anständiger Restaurant-Chef wäre, würde er die Kloputzleute ausreichend bezahlen. Aber die Klofrauen und Klomänner denken da nicht lange rum, sondern sind froh, daß sie einen Job haben und freuen sich über das Schälchengeld. Die Leute, die unseren Dreck wegmachen, können nix dafür, daß alles so läuft und können es sich nicht leisten, recht wählerisch zu sein. Deshalb: nicht vergessen, beim Rausgehen was ins Schälchen zu geben☺️

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