Julia Leischik soll nicht suchen

Wir kennen alle diese Sendungen, in denen angeblich verschollene Menschen „wiedergefunden“ werden. Da erblicke ich eine Frau mittleren Alters, die ihren „verschollenen“ Vater sucht und dann zu seinem Pech auch findet. Ich meine dazu: Viele Menschen wollen gar nicht gefunden werden! Besonders nicht Väter, die von ihrem „Glück“, Väter zu sein, gar nichts wissen. Da findet die Alte also mithilfe einer schmalzigen TV-Sendung nun ihren Erzeuger im Ausland und angeblich öffnet der einfach die Türe, trotz der Kamera und der fremden Leute, und bricht in Tränen der Rührung aus, als er hört, das Töchterlein stehe vor der Tür. Also nennen Sie mich böse, aber ich würde da ganz anders reagieren! Da erschläft sich eine beliebige Frau ein ewiges Erpressungsmittel, von dem der Gesegnete nichts weiß oder wissen will. Der Gesegnete lebt wie gewohnt weiter, baut sich ein mehr oder weniger glückliches Leben auf und hat eventuell auch eine Familie. Da steht auf einmal nach zwanzig oder dreißig Jahren dann also das unerwünschte Glück vor seiner Tür- ein emotionaler und finanzieller Bittsteller, der ihn jetzt auf ewig verfolgen und quälen wird. Also ich würde da mein Leben in Scherben zerbrechen sehen und eventuell einen Herzinfarkt kriegen, aber sicher nicht in Tränen der Rührung und des Glücks ausbrechen! Natürlich wollen alle Vaginalspermalerzeugnisse, die von verpeilten Windhund-Frauen mitgezeugt und ausgetragen worden sind, irgend ein Bilderbuchglück mit einem Vater, der sich ein Leben lang nach ihnen gesehnt hat und der unerträgliche Schmerzen gelitten hat, sie nicht früher kennengelernt zu haben. Sie weigern sich vehement, erwachsen zu werden und zu verstehen, was ihre Erzeugerin da angerichtet hat und dass sie nun einmal nur lästig und beim Daddy ihrer Sehnsüchte nicht erwünscht sind. Er ist auch nicht verschollen, weil er gezwungen dazu war, sondern, weil er von solchen geöffneten leeren Brieftaschen nicht gefunden werden will und nicht sein Leben lang emotional erpresst werden will. Interessanterweise findet niemand in diesen Schmalz-Wiedersehens-Sendungen den Daddy in einem Obdachlosenasyl. Auch findet niemand einen zu Tode erschrockenen Daddy oder filmt die an dem neuen „Glück“ zerbrochene Familie des Daddys, die nun wirklich keine Lust auf ein Schwesterchen oder Brüderchen hat. Immerhin haben diese Menschen sich ein Leben lang etwas aufgebaut und jetzt kommt da einfach so jemand mit übergroßen Erwartungen- Vater- und Familienfreuden sehen anders aus!

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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