Die Raucher

Mein Mitbewohner, der passionierte Kettenraucher, hat ein Problem mit den neuen Schock-Bildern auf den Zigarettenverpackungen. Sie machen ihn unsicher. Nicht, dass sie ihn davon abhalten würden, auch nur eine einzige seiner unzähligen Zigaretten am Tag weniger zu rauchen. Ich sage ihm, dass ich diese Art von Verdrängung nicht verstehe. Raucher sind doch nicht automatisch dumme oder geistig zurückgebliebene Menschen- sie wissen doch hoffentlich, dass bestimmte Krebsarten und schwere Erkrankungen eine natürliche Folge des Rauchens sind und dass die Bilder einem das nur vor Augen führen, falls man es vergessen hat. Raucher sind aber unheimlich selbstbewusst und überzeugt, dass es ihnen eh super geht. Natürlich geht es ihnen im mittleren und jungen Alter super- der Raucher-Krebs ist ja auch nicht so blöd, zu kommen, wenn du jung und widerstandfähig bist, sondern dann, wenn er es dir so richtig zeigen kann. Ich sage meinem Mitbewohner und allen Rauchern auch ganz offen, dass ich keinerlei Mitleid mit den Kettenrauchern habe, wenn sie dann auf der Onkologie winseln und jammern- immerhin verpesten sie Nichtrauchern nicht nur jeden Tag die Luft, sondern verursachen bei vielen von ihnen Krebs und andere Erkrankungen durch Passivrauchen und haben dafür doch eine Belohnung verdient! Der Mensch ist leider ziemlich egoistisch und hat erst ein Verständnis für etwas, wenn er selbst betroffen ist. Als Ex-Genuss-Gelegenheitsraucher konnte ich diese ganzen Nicht-Rauch-Extremisten echt nicht ausstehen, weil sie auch echt spießig sind. Ich habe sie gehasst- dafür, dass sie uns das schöne Brauhaus vermiest haben, in dem jetzt statt Leuten wie du und ich, die Bier tranken und rauchten, Familien mit hyperaktiven Kindern sitzen und essen. Das Lokal ist ein Hort der Spießigkeit und Ungemütlichkeit geworden und die normalen Leute tauchen jetzt in Lokalen gar nicht mehr auf. Wer setzt sich denn schon als normaler Mensch in ein Lokal mit lauter quengelnden Kinderlein herein, wo es jetzt dank des Nichtrauchens extrem kinderfreundlich ist?! Ich nicht. Andererseits muss ich sagen, dass es mir durchaus das Essen vermiest, wenn sich Leute neben mir im Garten eine anrauchen, wenn ich esse. Voll ekelhaft. Aber was soll man machen- ohne die Raucher wird doch die Welt bald nur noch aus diesen spießigen Familien mit Bälgern bestehen, die einem jedes Restaurant vermiesen und ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Paffer oder schreiende hyperaktive Bälger, die dank des Rauchverbots zu einer Plage in allen Lokalen geworden sind?

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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Eine Antwort zu Die Raucher

  1. Elisabeth Berger schreibt:

    Als ehemalige Raucherin muß ich aber schon sagen, daß es gemütliche Zeiten waren, wie wir in der verrauchten „Nachteule“ in München-Schwabing zusammengesessen sind und ewig lang ratschen konnten. Oder in den Pubs hat das Guinness gleich noch besser geschmeckt, wenn man anständig gequalmt hat und rundherum keiner gemeckert hat, weil alle rauchten und wem’s zuviel war, der ist gleich gar nicht gekommen. Bei den Rauchern war’s immer gemütlich und auch heute noch, wenn die verpönten Raucher draußen vor das Lokal verbannt, ihre Kippen runterziehen, gesellen sich Nichtraucher dazu, weil’s dort den nettesten Ratsch gibt.
    Inzwischen bin ich auch so weit, daß ich es nicht mehr mag, wenn mir der Rauch mitten ins Gesicht weht, aber ich bin kein lästiger Nichtraucher geworden und ergreife nicht die Flucht oder meckere rum. Da bleib ich schon sitzen, weil ich weiß, wie’s früher war und bloß, weil jemand raucht, sprengt man keine gemütliche Gruppe😊 Man stirbt auch nicht gleich dran, wenn man hin und wieder den Zigarettenrauch einschnauft. Nachdem in geschlossenen Räumen sowieso nicht mehr geraucht werden darf, wird der Nichtraucher im Freien schon nicht gleich tot vom Stuhl fallen. Ich krieg auch keinen Ausraster, wenn neben mir ein paar Kinder plärren und mit den Kieselsteinen schmeißen. Meine Kinder waren auch mal klein, aber sie waren erzogen, da fehlt’s heute öfter.

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