Die Fliegenklatsche

Mein Mitbewohner fragt mich, warum ich so selten in unserem Gemeinschaftsraum sitze. Er glaubt, das liege an ihm. Da hat er nicht ganz Unrecht. Aber leider hat er nicht vor, etwas daran zu ändern. Mein Mitbewohner pflegt eine geradezu beängstigend enge Beziehung zu seiner Fliegenklatsche. Sie liegt immer am Tisch, an dem natürlich auch Essen, Geräte, Bücher und andere Dinge liegen. Ich würde mich gern auf das Sofa setzen- aber mich graust es! Er erschlägt die Fliegen einfach überall: Ihre Leichenflecken und Kadaver liegen ausgestreut auf dem Fußboden, den Teppichen, Tischen, Sofas- man setzt sich auf sie, man tritt auf sie, man ist immer in Tuchfühlung. An den Wänden haben wir ein widerwärtiges „erschlagene Fliegen-Muster“. Ich sage meinem Mitbewohner, dass ich keinen Sinn darin sehe, diese Fliegen auf so unhygienische Weise in erschlagener Form zu verteilen: Immerhin setzen sich Fliegen auf alles, das verwest, essen das und sind voll von Dreck und wie er darauf komme, die dreckige Fliegenklatsche auf Tische und Sofas zu tun! Ich flehe ihn an, dass er es wenigstens lassen soll, die Fliegen auf den Wänden zu erschlagen, da sagt er: „Da bleibt doch kein Fleck übrig! Von einer Fliege bleibt doch kein Dreck übrig!“ Weiter geht es mit der Binsenweisheit, dass die Fliegenklatsche auch sehr sauber und hygienisch sei und darum immer auf Tischen, Regalen und Sitzmöbeln liegen darf. Er meint, ich sei hysterisch, mich nicht auf die widerlichen Sofas zu setzen, auf denen hunderte, wenn nicht tausende Fliegen erschlagen wurden, ich sei paranoid, den Fliegenfriedhof-Teppich nicht zu betreten und verrückt, nicht am Fliegenklatschen-Tisch sitzen zu wollen. Er beendet seine Anmerkung damit, zwischen zwei Sätzen zwei Fliegen zu erschlagen- eine an der Wand und eine am Sofa. Wo sie dann hinlanden- ich werde es wohl schon herausfinden, wenn ich mich aufs Sofa setze oder auf dem Fußboden laufe und sie zerknirschen höre!

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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