„Mama, Mama!“

Jeden Morgen freue ich mich auf Neue. Wenn ich am Aufräumen der „guten Stube“ bin und einmal rausgehe, kreischt schon beim Öffnen der Türe das ADHS-Bangert der Nachbarin- wie, um mich zu erschrecken- „Mama,Mama!“ Und zwar hörbar über fünf Straßenkreuzungen. Das geht jedes Mal so, wenn ich rausgehe und wenn ich draußen bin. Offensichtlich sucht nicht nur die kinderwerfende Alte mit ihrer rosa Jogging-Weste und ihren dazu farblich passenden grünen Hosen und bunten Schuhen den Kontakt zu mir, sondern auch ihr ADHS-Bangert, das, wie alle ADHS-Unterschichtler, ständig die Aufmerksamkeit auf sich lenken muss. Ich bekomme also bereits am Morgen ein Magengeschwür und freue mich darauf, keine Sekunde mehr draußen verbringen zu können, seitdem die kinderwerfende Alte mit ihrem Clan nebenan eingezogen ist. Wer da von wem ist und zu wem gehört ist übrigens nicht mehr zu überblicken, aber nach ihrer bunten Kleidung und ihren Versuchen, meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erregen und mich zu stalken zu urteilen gehören sie alle irgendwie zusammen. Heute öffne ich also wieder die Tür. Fast habe ich über Nacht vergessen, dass diese Unterschichtler nebenan sind. Ich weiß nicht, ob die Alte ihr Bangert auf mich abgerichtet hat, denn ich gehe immer zu recht verschiedenen Zeiten heraus. Aber kaum öffne ich die Türe einen Spalt und strecke den Fuß heraus, kreischt es schon schallend über das Dorf: „Mama, Mama!“ Diese unerträgliche kleine menschliche Zecke hat übrigens, genauso wie das Bangert der „Konkurrenz“ auf der anderen Straßenseite, trotz seiner fünf Jahre noch immer kein Wort dazugelernt, außer „Mama, Mama“. „Papa“ ist die natürliche Erweiterung des Vokabulars und sinnentleertes hysterisches Plärren die Sprache, die es wohl noch weitere zehn Jahre sprechen wird. Wo andere Kinder in diesem Alter schon eine oder zwei Fremdsprachen dazulernen, werden die Unterschichtler mit geistig fordernden Plattitüden wie „Ja, wer ist denn da?“ auf ihre Zukunft im Hartz-IV-Sozialsystem vorbereitet. Selten ist bei Lady Jogginganzug kein Braten in der Röhre und Leute wie sie glauben, dass alle Menschen sie und ihre Bangerten unheimlich sympathisch finden und ich das an mich gerichtete „Mama, Mama“-Gekreische einfach liebe. Jetzt kann man dem Balg ja nicht sagen „Halt die Fresse!“ und „Schleich dich in dein buntes Spiel-Zelt!“, aber ehrlich gesagt ist es genau das, was ich gerne tun würde!

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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