Die guten Vorsätze

Silvester ist ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für gute Vorsätze. Wer das Rauchen, das Trinken oder das Fressen aufgeben will, ist ganz falsch beraten, es an jenem Tag zu tun, an dem gerade das alles exszessiv praktiziert wird. Und sich zu sagen „nur noch ein letztes Mal“ funktioniert auch ganz schlecht- immerhin fängt um Mitternacht die Party erst an! Und beim dritten Gläschen schmeckt es einem doch erst so richtig und nach der dritten Flasche ist der Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören, längst passe- denn erstens suggeriert das Rauchen einem, dass der Alkohol weniger wirkt und zweitens suggeriert es einem, dass es wärmt- beides sehr wichtige Dinge an Silvester! Und nach einer draufgesetzten Flasche Spirituosenfusel in den Morgenstunden ist auch die Bekehrung zum gesunden Essen und Vegetarismus kein Thema mehr und der nächste Würstchenstand mit Gammelfleisch und die Pizzabude mit schuhsohlenartigem Teig und Müll drauf ist uns genauso wertvoll wie der Mc Doof unseres Vertrauens! „Nur noch ein letztes Mal“ sagen wir uns- und morgen, ja morgen fangen wir dann wirklich ein neues Leben an- aber huch- es ist doch schon „morgen“! Und angetrunkene Männer verwickeln sich nur allzu gern in Raufhandel, stechen einander mit Messern ab, randalieren in Bars oder- der Klassiker- kehren heim zu Frau und evtl. Kindern und stechen alle ab, ein paar Ehefrauen werden erwürgt, andere müssen sich nur von einem gesoffenen Krampf im Hintern über die ganze Nachbarschaft hörbar als alles beschimpfen lassen, was sie angeblich in seinen so nüchternen und weisen Augen sind, bis wieder einmal die Polizei gerufen wird, die bei der ein bißchen „zurecht“ zusammengeschlagenen Frau nachfragt, ob alles in Ordnung ist und mit der knappen Antwort „ja, danke“ weggeschickt wird. Vorsätze sind dazu da, um sie zu brechen und für doofe Fernsehinterviews, in denen Leute gefragt werden, was sie sich vorgenommen haben. Und auch unser Mitbewohner, der Kettenraucher, schwört sich, seitdem er das erste Mal an einer Zigarette gezogen hat, mit dem Rauchen aufzuhören, und jedes Jahr wiederholt sich das Ritual, dass er sich vornimmt, mit dem Rauchen aufzuhören- aber die WG zwingt ihn mittlerweile, diesen „guten Vorsatz“ konsequent zu brechen, denn Sie sollten einmal erleben, wie unerträglich PMS-gestört Kettenraucher sein können, die sich zwar vornehmen, mit ihrem Laster aufzuhören, es aber gar nicht wollen und uns mit ihrer Reizbarkeit so lange auf die Nerven gehen, bis wir ihm zugestehen, dass es natürlich wieder „unsere Schuld“ ist, dass er weiterraucht, weil wir ihn nerven und ohne uns hätte er schon längst aufgehört! Also erheben wir „ein letztes Mal“ das eine oder andere Glas auf die „guten“ Vorsätze!

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Über ruthwitt

Politikwissenschafterin.
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2 Antworten zu Die guten Vorsätze

  1. Alfred E. Neumann schreibt:

    Oh je; da war ich ja mal „ganz falsch beraten“, als ich am 31.12.1998 exakt um 00:00 Uhr die letzte stinkende Kippe meines Lebens ausgemacht habe und seitdem nie wieder auch nur ein einziges Mal (!) den Drang nach diesem Mist verspürt habe. Offensichtlich habe ich trotzdem irrsinniges „Glück“ gehabt.
    Aber ich werde ab jetzt hier ganz fleißig mitlesen und mir „ganz tolle Tipps“ von der hiesigen „Akademikerin“ holen, damit mir sowas nicht nochmal passiert…

  2. Alfred E. Neumann schreibt:

    Je mehr ich über diesen ominösen „Mitbewohner“ hier lese, umso mehr fühle ich mich bestätigt in meinem Entschluß, niemals einer „WG“ beizutreten…

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