Bella Espana

Juli. Unsere Augen wenden sich sehnsüchtig in die Ferne. Dort, hinter sieben Bergen, liegt Spanien. Auf der Nationalstraße, die zu unseren Sehnsuchtsorten führt, sitzen die Huren auf weißen Plastikstühlen und warten auf großzügige Typen, denen sie für fünf oder zehn Euro den Penis lutschen dürfen. Wir sind uns sicher, dass die Ladies aus dem nahen Osten ganz freiwillig ihre Popos zu den vorbeifahrenden Autos schwenken und sogar die dürftigen Höschen und Röckchen fallen lassen wenn der Zuhälter ungeduldig wird. Quids ist das, worum es geht und davon kriegt niemand genug.

Kakerlaken, fliehende Händler aus Afrika und angebliche Masseusen aus Asien werden unsere ständigen Begleiter. Mittags kämpfen sich die von der brennenden Höllensonne ausgelaugten Touristen wie Zombies durch die Lokale am Straßenrand. In den gemieteten Appartements ist es schmutzig- aber es kommt ja eh niemand zu Besuch und keiner hat mehr Lust, den aussichtslosen Kampf gegen die umherhuschenden Kakerlaken zu kämpfen, die liebevoll ihre Flügel spreizen.

Die Giggolos von nah und Afrika versichern den naiven Touristengören, dass sie keine Lügner sind und dass sie sie wirklich lieben. Das bezirzte Frischfleisch macht sich keine Sorgen um Geschlechtskrankheiten, Tropenfieber oder Aids, denn diese Burschen machen einen wirklich vertrauenswürdigen Eindruck.

Zwangsberieselt durch die zahllosen Glückwürmchenwerfer und Hütchenspieler wälzen sich die Touristenscharen in einer Welle des willenlosen Konsums und besinnungslosen Umherschauens durch die Ramblas von Barcelona und in dem Meer aus Zombies hört niemand der ahnungslosen Opfer die Schritte, die sich ihnen nähern und im Bruchteil einer Sekunde die prall gefüllten Handtaschen und neuen Kameras an sich reißen, die sich die naiven Urlauber noch extra für die schönste Zeit des Jahres gekauft haben. Der desinteressierte Polizeibeamte beim nächsten Revier fragt gar nicht erst, wen oder was man gesehen hat, denn er nimmt die Raubdelikte im Minuten-Takt auf und wundert sich schon lange nicht mehr über die Einfalt der Touristen.

In den Tascas fressen die Touristen kleine Scheiben vom Baguette mit einem Häufchen Nichts drauf und liebevoll getarnt als Tapas und erzählen ihren Tischgenossen, dass man bei sich zu Hause niemals so eine tolle Miniaturscheibe Baguette mit kaum was drauf für ein Euro fünfzig bekommen würde. Dazu schlürfen sie spanisches Schlodderbier, das zwar von einem belgischen Großkonzern produziert wird, aber allein schon wegen seinem spanischen Namen und der Miniaturportion das Geld und den bitteren Nierenstein-Urin-Geschmack wert ist. Insgeheim träumen sie bereits davon, endlich wieder ein Schnitzel mit Pommes und Salat zu essen und diese teuren Miniaturimbisse hinter sich zu lassen, aber auf Fakebook soll es so wirken, als seien sie wahre Kenner Spaniens und daher lichten sie sich ständig mit Tischen voller Tapas und dem Geschloder namens Sangria, das nur für die Touristen erfunden wurde und das kein Einheimischer freiwillig trinken würde, ab.

Erschöpft von der Saharasonne und von der Scharade in den Städten und an den Stränden kehren sie zurück in die versifften Appartements, wo sie die Klimaanlage bei offenem Fenster den ganzen Tag haben laufen lassen, damit es schön kühl bleibt. Enttäuscht stellen sie fest, dass der Kühlschrank halb leer ist und dass das Wasser aus dem Wasserhahn ja gar kein Trinkwasser ist, weshalb sie sich mit ihren Geländewagen zum Supermarkt bugsieren, wo sie heimische Produkte und Wasser in riesigen Plastikkanistern kaufen. Und trotzdem ist alles schöner in Spanien- die Moskitos necken einen liebevoll in den Schlaf und die Kakerlaken leisten einem bei jedem Essen angenehme Gesellschaft. Alle sind freundlich und nett und gar nicht so wie bei uns zu Hause. Diese Freundlichkeit! Diese Wärme! Und auch ein kleiner Raub oder angestochener Autoreifen kann uns die Urlaubslaune nicht vermiesen, denn in Spanien ist einfach alles besser- auch die Kriminellen scheinen einem im Lichte der wunderbaren Strände und Lokale viel sympathischer als daheim. Viele werden sich überlegen, zu bleiben, denn es ist überall schöner als dort, wo man gerade zu Hause ist, und in Spanien kriegt man alles für „fast umsonst“. Nicht einmal die schlimmsten Horrorgeschichten aus „Goodbye Deutschland“ können uns davon abschrecken, endlich in unser Sehnsuchtsland zu ziehen und dort als Versager erster Klasse ein „uriges“ Lokal zu eröffnen, von denen es unserer Ansicht nach noch viel zu wenige an den spanischen Küstenorten gibt . Wir sind überzeugt, sie werden uns alle helfen, denn sie haben uns als Urlauber so in ihr Herz geschlossen, dass wir von ihrer Loyalität und Ergebenheit überzeugt sind.

Nach einem Monat packen wir frisch gegrillt unsere Sachen für die Heimreise und freuen uns schon darauf, unsere spanischen Geschichten denen unter die Nase zu reiben, die das Glück oder das Pech hatten, nicht in Urlaub gefahren zu sein und eines ist jetzt schon klar: Wir kommen wieder! Hasta luego!

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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Eine Antwort zu Bella Espana

  1. Elisabeth Berger schreibt:

    Ha, prima! Dank’schön☺️😘
    LG Elisabeth

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