1. Mai: Der Tag der Zeitarbeit

Vielleicht hat es einen Grund, dass der Tag der Arbeiter heuer ins Wasser gefallen ist. Was gibt es da noch zu feiern? Die junge Generation kann sich darauf verlassen, dass eine kleine Nomenklatura von Beschäftigten eine Arbeit nach altem Modell hat: Die im öffenltichen Dienst, Beamte, und die im „öffentlichen“ Rundfunk. Für alle anderen schaut es so aus: Sie machen die Ausbildung und müssen sich dann als Zeitarbeiter in immer neuen Billigjobs behaupten- ohne irgendeine soziale Sicherung oder eine Sicherheit. Sie sind Sklaven und Wegwerfware. Hinzu kommen rumänische, bulgarische, ungarische Arbeiter in Sub-Baufirmen, die für uns die Straßen und Häuser bauen und dafür in Autos schlafen und drei Euro in der Stunde bekommen. Oder gar nichts. Diese neue Form der Arbeit nennt sich Dienstleistung und darin beschäftigt sind Sklaven, die man auf kurz abruft und sie wieder wegschmeißt wenn man sie nicht mehr braucht. Krank werden oder fehlen ist hier nicht gefragt. Und auch Geld gibt es so viel wie bei Hartz IV. Wir „Akademiker“ nennen uns noch Generation Praktikum für 200 Euro oder nix im Monat und die Bezeichnung Akademiker ist unser einziger Trost, dass eine kleine Schicht aus immer denselben Familien und Freunderln es an die Institute, Hochschulen, Medien, Vorstände und Forschungsstellen schafft, während wir uns alle fühlen, als wären wir Versager. Die Medien tun ihr Übriges, um uns alle als Versager fühlen zu lassen, indem sie einen Vorzeige-Asylanten abbilden, der gerade eine Uni-Forschungsstelle geschenkt bekommen hat. Neunzig Prozent der heute jungen sind perspektivlos und blubbern in einer Fruchtblase aus Sozialhilfe, vom Arbeitsamt erzwungenen Zeitarbeiten und Hilfe von der Familie, die auch nichts mehr hat. Die Arbeiter von ver.di sterben langsam aus und wer bei ver.di bleibt ist einer jener, die auf Kosten des Steuerzahlers und der Arbeitslosen ihren tollen Job haben. Mit denen sollen wir solidarisch sein? Die uns alle Chancen wegnehmen? Die Zeit der Gewerkschaften ist längst vorbei. Es arbeiten nur mehr osteuropäische Zeitarbeiter in „Dienstleistungsfirmen“ und die Generation aussichtslos steht apathisch da und weiß nicht so recht, was ihr der Tag der Alibi-Arbeit, durch die sie gewissenlos ausgebeutet werden, eigentlich noch sagen soll. Es ist die ganze Gesellschaft, die am Tag der Arbeiter nichts zu feiern hat. Die obersten ein Prozent gehören zu denen, die dieses Elend geschaffen haben. Es ist Zeit für den Tag der Ausgebeuteten, der Entrechteten, der Menschen an sich. Vergessen wir den Tag der Arbeiterbewegung genauso wie wir diesen Tag mit dem miesen Wetter vergessen werden.

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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