Mutmaßliche Terroristen?

Die Parallelen zum 11. September, der der amerikanischen und deutschen Waffenindustrie ganz zufällig sehr gelegen kam, sind auch für geistig blinde zu sehen. Gestern- die Medien sind mein Zeuge- hieß es noch in den Nachrichten, der Anschlag in Ankara sei vom IS begangen worden. Die Türkei hat jedoch schon seit Jahren ein sehr mulmiges Gefühl bei der Syrien-Krise, denn wenn in Syrien der Krieg fortschreitet, werden die Kurden mit Unterstützung aus Europa einen eigenen Staat aufbauen wollen. Ein größerer Teil des türkischen Staatsgebietes ist auch davon betroffen. Und heute ist es endlich soweit: Die Türkei behauptet, kurdische Attentäter steckten hinter dem Anschlag in Ankara und einem weiteren und auf einmal werden Dutzende kurdische „Extremisten“ von der türkischen Armee getötet. So reicht eine kleine Nachricht, um aus dem Engel Kurden den Teufel der extremistischen Kurden zu machen und alles nimmt seinen Lauf. Die USA, die Türkei- alles ein Konglomerat, das uns die Augen auswischt. Wie war das noch mit den Mudschahedin in Afghanistan? Die waren so lieb! Dann wurden aus ihnen auf einmal die bösen Taliban- nur, wo hatten die ihre Waffen her? Gute Kurden, böse Kurden, gute Taliban, böse Mudschahedin, ganz böse! Die Kurden haben eine seit Jahrhunderten bestehende eigenständige Kultur und erheben den legitimen Anspruch auf ein Staatsgebiet, das nicht von den USA und Großbritannien zurechtgeschnibbelt wurde. Vom juristischen Standpunkt aus gesehen haben sie einen glaubwürdigeren Anspruch auf ein Staatsgebiet als das Kosovo. Ja, die kurdischen „Extremisten“. Gestern waren sie noch Freiheitskämpfer- heute macht sich die Türkei in die Hosen, weil sie ein Viertel ihres Staatsgebiets verlieren könnte. Für den Genozid an den Armeniern leicht kritisiert, wird die Türkei jetzt sicher viel Lob ernten, wenn sie Tausende kurdische „Extremisten“ erschießt. Vielleicht werden jetzt manche bemerken, dass der Begriff Türkei einem allzu selbstverständlich über die Zunge gerollt ist und dass in der Türkei sehr viele Menschen leben, die sich in keiner Weise als Türken sehen. Über dies offen zu sprechen ist übrigens ein Sakrileg, denn das Thema unterliegt der Zensur. Wir danken den USA und Großbritannien und auch Deutschland dafür, dass sie die „Syrien-Krise“, die „Afghanistan-Krise“ ff. überhaupt erst möglich gemacht haben. Mehr Waffen für eine gesunde Volkswirtschaft!

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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