Hart aber unfair

Es erfüllt einen etwas mit Angst: Die Sendung „Hart aber fair“ lädt die österreichische Innenministerin zum Thema „Wohin mit den Flüchtlingen…?“ ein und der ARD-Brüssel-Korrespondent lacht sie ununterbrochen aus und erniedrigt sie, während sie vom Rest der Geladenen und vom Publikum bombardiert wird wie NSDAP-Kritiker zur besten Zeit des Führers aller Deutschen. Es ist entsetzlich, diesen Niedergang der Kultur in der BRD mitanzuschauen und wer diese Sendung länger als zwei Minuten ertragen konnte, wollte sich sicher selbst im Publikum betrachten. Es entsteht nicht zum ersten Mal der Eindruck, dass sich Deutschland vom Faschismus niemals richtig gelöst hat und die Meinung seiner Bevölkerung mithilfe von uniform konzipierten Medien zurechtbiegt, die keine andere Ansicht als die der Regierung zulassen. Dafür ist jeder deutsche Haushalt ohne Opt-Out-Möglichkeit verpflichtet, Fernsehgebühren zu zahlen, denn die Fahrkarte in den Totalitarismus muss selbst bezahlt werden. Erschreckend, wie sehr Deutschland den offenen Meinungsaustausch meidet und ganz Europa in den Dritten Weltkrieg der Verzweifelten hineinschleift, welche sich weder durch Politik noch durch die von Politik kontrollierten Medien vertreten fühlen. Polen hat ein neues Mediengesetz. Was gibt es da herumzumeckern? Ist das deutsche staatliche Fernsehen nicht ein Sprachrohr der Propaganda und Zensur wie es das schon immer war? Gesunder Menschenverstand hat in der Politik und im öffentlichen Fernsehen nichts verloren. Irgendwann werden sich einige Hartz-IV-Aufstocker und besonders die 1-Euro-Jobber und Leiharbeiter vermehrt fragen, für wen sie da eigentlich arbeiten und zu welchen sinnlosem Zweck. Das hat seine Ursachen sicher nicht in dem, was deutsche Medien und Politiker im letzten Jahr und auch heuer innen- und außenpolitisch angerichtet haben. Aber das wird den Millionen da unten ziemlich egal sein und sie werden sich aus Verzweiflung und Not wieder an einen „Führer“ wenden. Das reiche Deutschland sind die oberen handvoll Prozent und der Rest muss wie ein Hund abgerichtet werden, damit er ja nicht aufmüpfig wird oder sich fragt, ob das System, in dem er ist, nicht auch in einigen seiner Aspekte zu hinterfragen ist. Die verschiedenen Schattierungen der Realität werden in der Politik und im öffentlichen Fernsehen nicht widergespiegelt. Ganz nach US-Manier gibt es nur Pegida gegen Demokraten, Linke gegen Rechte, Gute gegen Böse, Nonkonformisten gegen die, die alles nach den „Regeln“ machen. Auch in den Zwanziger Jahren war alles ziemlich cool und die Gesellschaft ziemlich offen. Doch die Politik war von der Realität genauso weit entfernt, wie sie es heute ist. Und so, wie damals Dada nicht geholfen hat, den Faschismus aufzuhalten, wird es auch dem preußischen Karneval heutiger Zeit nicht gelingen. Die Leidtragenden werden jedoch immer die sein, in deren Namen alles damals geschehen ist und in deren angeblichem Namen heute wieder alles geschieht.

http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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