Hunde, die bellen, beißen auch

Jeder, der zur High Society dazugehören möchte, muss sich einen Chihuahua besorgen. Am besten einen aus Ungarn oder Rumänien, die kosten nichts und schon ab fünf Euro kann man zu einem besseren Menschen werden, ohne hohe Tierarztkosten befürchten zu müssen, denn nach einem Jahr, wenn das Rattenviech erste Anzeichen von Krebs und Hirnauflösung zeigt, kann man sich wieder einen besorgen. Mit einer trendigen Hundeleine und einem Ratten-Mäntelchen von Gucci kann das Leben als besserer Mensch beginnen. Zur Edel-Ratte gehört eine gewisse Haltung. In den nobleren Ecken dieser Welt sieht man die Chihuahua-Bohemiens, wie sie an einem vorbeigehen, als wären sie etwas Besseres und als würde ihre Scheiße weniger stinken. Sie begrüßen einander freundlichst und sie halten sich für intellektuell und tierlieb. Im Kaffeehaus schieben sie sich eine Ladung Gänsestopfleber in den Rachen und lesen dabei die neueste Kolumne über Tiertransporte, ohne dabei in irgendeinen Gewissenskonflikt zu geraten. Es ist anzunehmen, dass das intellektuelle Potenzial dieser Rattenbesitzer nicht viel ausgeprägter ist als das ihrer missratenen Kläffer. Was sagt ein Tier über einen Menschen aus? Zuerst einmal eine soziale Bindungsstörung. So wie Jugendliche heute dauernd auf ihr Handy glotzen, um nicht andere Leute begrüßen oder anschauen zu müssen, und so tun, als beschäftigten sie sich mit etwas „Wichtigem“ auf der komprimierten Glotze, benutzen bindungsgestörte Menschen Hunde als flohbesetztes Kommunikationsmittel. Chihuahua-Besitzer sind eine Gemeinschaft der „Besseren“, die einander immer nett grüßt, die das Kacki vom Hund immer in den Beutel tut und die sich sicher sein kann, von einem anderen Chihuahua-Besitzer niemals etwas Schlimmes befürchten zu müssen. Niemals käme man auf die Idee, von einem Chihuahua-Besitzer angegriffen, brutal zusammengeschlagen, beraubt, angeschnorrt oder vergewaltigt zu werden. Ja und auch ich dachte, von diesen kleinen kläffenden Accessoire-Viechern sei nichts zu befürchten, als meine mondäne Bekannte mit diesen keifenden und Zähne fletschenden Monstern einmal vorbeischaute. Ich lernte schnell, dass schwarze Chihuahuas, die bellen, auch gern zubeißen und braune Chihuahuas gerne alle Ecken einer Behausung mit ihrem Urin markieren, dessen Gestank man ein Leben lang nicht wieder herausbekommt. Und auch wenn ich meine Bekannte ziemlich gern habe, bin ich der Ansicht, sie sollte ihre Vorliebe für Innereien auf ihre Tierliebe ausweiten und diese kleinen Anhängsel-Ratten zu Salami und Handtaschen verarbeiten lassen und stattdessen zwei hoch intelligente Schweine an der Dolce & Gabbana-Leine spazieren führen.

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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