Driving home for Christmas?

Überall, wo ich hinkomme, werde ich unmenschlichen akustischen Qualen ausgesetzt: Die Kollegen und Mitbewohner sind sich für eine dreifache Tageswiederholung von „Driving home for Christmas“ und die darauffolgende Leier „Santa Clause is coming“ nicht zu schade. Im öffentlichen Raum geht die Gehirnreierei weiter. Auforpfernde Moderatoren bringen dauernd Fragen wie „Was bringt euch das Christkind?“ „Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke eingekauft?“ Bei Leuten, deren Gehirnmasse so undiferrenziert ist, wie der Inhalt einer vollgeschissenen Kloschüssel, und die den für die Werbewirtschaft sehr einträchtigen IQ von Krill haben, ist keine Kritik am Sado-Maso-Weihnachtsirrsinn zu erwarten. Und wenn ein Lied nicht weihnachtlich genug ist, wird es von den Moderatoren mit Glöckchen eingeleitet, damit man ja nicht vergisst, Glühwein zu saufen und in das nächste Kaufhaus zu gehen. Ich frage mich, wer gerne „für Weihnachten nach Hause fährt und es kaum erwarten kann“, diese gierigen unnützen Gesichter zu sehen? Die warten alle nur auf kostspielige Geschenke und nicht auf dich, du Idiot! Die Hausfrauen terrorisieren derweil die ganze Familie, denn für das „Familienfest“ muss ordentlich vorgekocht und viel eingekauft werden. Und der Baum muss auch passen. Und der Christbaumschmuck. Und wenn herauskommen würde, dass der Heiland vielleicht homosexuell war, weil er von ungewöhnlich vielen Männern umgeben war und sich nicht zu Frauen hingezogen fühlte, macht das auch nichts mehr. Hauptsache, wir fahren home for Christmas und können es net erwarten, dieselben miesen Fressen zu sehen, wie immer. Danke dem imaginären Mann mit Bart in der oberen Erdatmosphäre, dass Weihnachten ist, sagte Freddy Mercury. Haben wir doch einfach eine wunderschöne Weihnachtszeit. Und wenn Sie mit einem Magengeschwür im Krankenhaus liegen, wiel sie aus Frust zu viel gegessen und gesoffen haben, hören Sie sich einfach ein Santa Claus-Lied an, dann geht es Ihnen gleich besser. Christus ist da, um Ihnen zu helfen. Fragen Sie die Leute auf der Palliativstation! Da geht der Heiland dauernd spazieren. Man sagt, er trägt eine Sense auf der Schulter und hat einen Totenschädel im Gesicht. Und ganz besonders gern nimmt er die Unschuldigen mit. 

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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