Ich pfeife auf den Umweltschutz

Ich bin mein ganzes Leben lag ein Mensch mit umfassendem Umweltbewusstsein gewesen. Ich habe als Kind einen Umweltclub gegründet. Mitglieder waren meine kleine Schwester und ich. Wir haben die Ufer von unserem See durchstreift und achtlos weggeworfenen Müll gesammelt. Ich war überzeugt, dass Mami den löchrigen Topf und den toten Fisch noch gut verwerten könnte. Mit jedem Jahr, mit dem ich mich dem Erwachsensein näherte, wurde mir jedoch klarer, dass es den Leuten scheißegal ist, wie es um die Umwelt steht. Als bei uns in direkter Nachbarschaft eine Siedlung für Asylanten gebaut wurde, war auf einmal die ganze Umgebung im Radius von zwei Kilometern eine riesengroße Müllhalde. Bei ihnen machte man das so. Aber es geht hier nicht um andere Kulturen, die glauben, dass Plastikmüll auf eine Wiese oder in einen Wald oder besser noch in einen See gehört. Die Deutschen sind, obwohl sie es besser wissen, noch egoistischere Drecksäue. Es geht mir um ebendiese Verpackungen, die ich eigentlich meiden will. Andauernd finde ich in meinen Gerichten, die ich im Restaurant bestelle, fremde Haare. Dicke, schwarze, lange Haare, braune, gerollte Augenbrauen, aufgerollte Körperbehaarung, süße Schamhaare. Und jetzt reicht es mir. Vorgestern finde ich auf meiner Pizza ein aufgerolltes Körperhaar, vorvorgestern in meinem Pilzragout ein braunes halblanges Haar und vorvorgestern in meinem Spinat ein langes schwarzes Kopfhaar. Mir reicht es jetzt mit den authentischen, natürlich zubereiteten, angeblich gesunden und vor allem umweltfreundlichen Speisen. Ich kaufe ab jetzt nur noch fabrikgeferigte Speisen zum Aufbacken, weil ich es leid bin, die Haare der Köche und des Personals dauernd mitzufressen und davon zu kotzen! Rasiert eure verdammten Körper kahl, schluckt täglich eine Flasche Alpecin oder ich schicke die Lebensmittelbehörde auf euch los, ihr haarverlierenden Haarmonster! Ganzkörperanzug! In den USA müssen sie so etwas tragen, auch wenn es nicht so fesch aussieht, weil sie bei einem Fauxpas eine Millionenklage riskieren! Und heute bereite ich mich gerade moralisch darauf vor, in der vom Hotelkoch gedeckten Käseplatte wieder ein schönes Haar zu finden- wie bereits gestern und vorgestern. Mmmmhhhh!

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s