Das Programm der Linken ist nicht übel

Man kann über sie sagen, was man will, aber das neue Programm der deutschen Linken ist nicht ganz abwegig. Sie wollen beispielsweise, dass Leute, die arbeiten, eine begrenzte Arbeitszeit haben. Auch wenn die Linken eine verwöhnte Intellektuellen- und Beamtenbrut sind, die nicht arbeiten muss, um zu leben und ihr Programm eine reine Wählereinschleimerei ist, die nichts mit dem Leben der führenden Parteimitglieder gemein hat, ist die Arbeitszeitbeschränkung eine fantastische Idee. Sie ist aber ein altes Paar Schuhe. Im achtzehnten Jahrhundert haben besonders französische und russische Utopisten, die auch keinen Hauch Elend, das sie bei den anderen vermuteten, am eigenen Leib erlebt hatten, eine Beschränkung von Arbeitszeit als wichtigsten Bestandteil ihrer Visionen und Philosophien thematisiert. Was daraus geworden ist, wissen wir. Marxismus ist eine wahnsinnig tolle Sache, und Kommunismus ebenfalls. Aber um diese Utopie wahr werden zu lassen, ohne dass daraus Schaden wie in der UDSSR oder der DDR entsteht, muss so ein Detail wie die Arbeitszeitbeschränkung global gelten. Ohne Ausnahme. Denn Ausbeutung kann sonst erstens outgesourct werden in Staaten, in denen die Beschränkung nicht gilt, und zweitens kippt das notwendige Gleichgewicht, das durch die globale Arbeitszeitbeschränkung entsteht, wenn jemand dabei nicht mitmacht. Dann funktioniert die natürliche und dem Liberalismus gar nicht feindlich gegenüberstehende Umverteilung nicht mehr. Was ich damit sagen will: Das Programm der Linken ist für den Arsch. Denn sobald sie mit jemand koalieren müssen, wird es verwässert und außerdem funktioniert es nicht, wenn es nur bei einem Bruchteil der wahrscheinlich sieben Milliarden Erdenbürger realisiert werden will. Wer trotzdem diese deutschen Utopisten wählt, ist ein Wohlstandsbürger, der beizeiten in seinem Großbildfernseher oder Tablet-Computer ein paar soziale Abgründe sieht, sich angeblich furchtbar darüber aufregt, sich ein biologisch und ökologisch bewusstes Leben leistet, sich aber nicht wirklich in die Scheiße des Nichts Habens stürzen will, um mit den Leidenden mitzufühlen. Da wähle ich doch gleich die Partei der Bibeltreuen Christen, weil diese zumindest ein klar realisierbares Programm haben;)

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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2 Antworten zu Das Programm der Linken ist nicht übel

  1. Observator schreibt:

    „Denn sobald sie mit jemand koalieren müssen, wird es verwässert und außerdem funktioniert es nicht, wenn es nur bei einem Bruchteil der wahrscheinlich sieben Milliarden Erdenbürger realisiert werden will.“ – trifft das nicht auf die Programme aller Parteien zu?

  2. lindwurm schreibt:

    Liebe Ruth, ganz so einfach ist das mit dem Outsourcen und Preisdumpen nun auch wieder nicht. Und was Deutschland, die mit Abstand größte Volkswirtschaft der EU und eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt macht, kann der Rest der Welt nicht einfach ignorieren.

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