Der Gegenpapst ist tot

Die erschütternde Nachricht hat auch mich erreicht- eine noch nicht enttäuschte, bekehrte, gehirnverwaschene Microsoft-Verwenderin. Steve ist also gestorben. Und die Jünger-Welt trauert um einen Visionär. Ich muss zugeben- er hat den Konsum in den letzten dreißig, vierzig Jahren beflügelt- diese bunten Spielboxen haben ihren Käufern und Verwendern wirklich viel Spaß gemacht. Aber macht Mal halblang und stellt ihn nicht als Märtyrer her, der sein Leben für ein Ideal geopfert hat. Das sieht ein bisschen anders aus. So eine Trauer kann man um einen Menschen empfinden, der im tiefsten verseuchtesten Eck in Bangladesch sitzt und dort daran arbeitet, dass Menschen kein Wasser trinken müssen, in dem ihre eigene Scheiße schwimmt. Oder einem Menschen, der seine ganze Kohle in die Entwicklung eines banalen Anti-Grippe-Medikaments einsetzt, das jedes Jahr unzählige Menschenleben rettet. Oder jemand, der für einen unverhältnismäßig niedrigen Lohn im Pflegeheim greisen Säcken die Ärsche auswischt und auspumpt, weil ihre Verwandtschaft darauf nicht scharf ist. Und viele andere Märtyrer und Zukunftsgestalter lassen sich finden. Leute, die wirklich nicht Vergnügen als ultimatives Lebensziel haben. Anders bei dem ganzen Apple-Quatsch. Steve hat in den Apple-Fabriken in Asien Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen schuften und versiechen lassen. Um ein bisschen Vergnügen im Westen zu produzieren. So eine Leistung nenne ich unverhältnismäßig. Die Asiaten sind ja auch viel weniger wert als wir, die wir uns bunte und stylische Apple-Produkte leisten können. Die sind doch selber schuld da unten und der Steve kann nichts dafür! Möglicherweise. Aber stellt ihn nicht als irgendeine Form von Heiland her, der etwas Altruistisches geleistet hätte. Ruhe, Steve. Und ruhet ihr billigen und scheinbar nichts werten Wanderarbeiter in den Apple-Zuliefererfabriken in Asien.

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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Eine Antwort zu Der Gegenpapst ist tot

  1. mopsi schreibt:

    ziemlicher Weiberblog. Ich glaube, Du hast Zotteln unter den Achseln.

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