Präimplantationsdiagnostik: Wovor fürchten wir uns?

Es wird im Parlament und in den Foren wieder einmal heiß diskutiert: Präimplantationsdiagnostik und damit verbundene Abtreibung- erlauben oder verbieten? Leute wie der behinderte Schauspieler Peter Radtke geben ihren Senf dazu und ganz Deutschland ist wieder gelähmt und sagt nein zur PID! Wir wollen keine Nazis sein und keine Euthanasie befürworten! Um es dem bildungsarmen deutschen Volkskörper noch einmal näherzubringen: Der Ausdruck Euthanasie wurde von den Nazis in einem falschen Sinn missbraucht- das wisst ihr doch hoffentlich, oder? Ihr wisst hoffentlich auch aus hochsensiblen und hochpräzisen medizinischen Untersuchungen, dass ein Embryo kein Schmerzempfinden hat. Und darum geht es hier- Peter Radtke ist, soweit ich weiß, kein Embryo. Und wäre ihm vor seiner Geburt etwas zugestoßen, hätte er das nicht gewußt, denn er wäre dann nicht Peter Radtke gewesen. Folglich berührt diese Debatte die Behinderten nicht und geht diese rechtlich gesehen nichts an. Hier wird nicht darum diskutiert, bereits geborene Menschen im Alter, in dem das Schmerzempfinden und das Bewußtsein einsetzen, zu töten. Hier geht es um die Vernichtung von Embryonen. Das hat weder mit mir noch mit Peter Radtke etwas zu tun. Und was ist denn dagegen einzuwenden, dass Eltern ein gesundes Kind wollen? Das mindert ja nicht den Wert von Peter Radtke. Aber schön wäre es, wenn Leute ausschließen könnten, dass ihr Kind Chorea Huntington bekommt. Peter Radtke geht es, so ist anzunehmen, nicht so schlecht wie denen, die erfahren müssen, dass sie Huntington haben, was mit Gendiagnostik hätte vermieden werden können. Wollen Sie, Herr Radtke, wirklich, dass solche schrecklichen Krankheiten jemandem zustoßen? Ist das nicht eine Art Wunsch, dass alle krank sind, weil Sie auch krank sind? Und ist Letzteres nicht ein falscher Ansatz, um Behinderten zu mehr Bewegungsfreiheit in der Gesellschaft zu verhelfen?

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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3 Antworten zu Präimplantationsdiagnostik: Wovor fürchten wir uns?

  1. WildeOscar schreibt:

    Ich „kämpfe“ gerade mit einem hartnäckigen Kritiker im Standard-Forum über ihren Standpunkt in dieser Causa. (samt Unterschicht-Kritik) Könnten Sie nicht persönlich dazu Stellung nehmen?
    Ich persönlich finde hier ausgesprochen, was ich denke….
    http://derstandard.at/plink/1308680698700?sap=2&_pid=21953984#pid21953984

    • ruthwitt schreibt:

      Lieber Oscar, ich sehe, dass viele Leser nur sehr oberflächlich an die Beiträge in meinem Blog herangehen und mir gefährliches Halbwissen zuschreiben, wie das wohl für sie selbst zu gelten scheint. Ich habe mein Verständnis einer Unterschicht mit „geistige Unterschicht“ sehr deutlich gemacht. Meine Kritiker, die sympathischen Sprösslinge aus der Philosophischen Fakultät, vertreten Ansichten, die sich in einen einzigen philosophischen Rahmen einfügen lassen- ich operiere außerhalb dieses Rahmens. Ein wahrer Philosoph käut nicht wieder, was er von Kant, Hegel, Wittgenstein & Co. aufgelesen hat, sondern steht über dem, wenn er wirklich eine eigene philosophisch begründbare Meinung hat. Ich vertrete eine sehr spezielle utilitaristische Ansicht, die den Sinn des Adverbs stark modifiziert. Ich operiere nicht mit Begriffen von Glücksmaximierung, sondern mit dem Begriff des Schadens. Menschen sollen leben, wie sie wollen, solange sie anderen bewußten und schmerzbewußten Lebewesen keinen Schaden zufügen. Der Rest ist politisch, normativ und willkürlich und in keinster Weise philosophisch- der Wunsch, allgemeine bindende Gesetze in jedem Lebensbereich zu schaffen ist wertend- er widersetzt sich der Natur. Deshalb sollten allgemeingültige Gesetze so wenig wie möglich spezifisch sein. Andererseits- ich bin Utilitaristin- wenn es mir nicht taugt, dass jetzt die Kaulquappe einen vollen Rechtskatalog auf ihrer Seite weiss, während der brutale, aber natürlich immer unzurechnungsfähige Mörder eines Menschen fünf Jährchen im Luxusgefängnis verbringt und die Opfer sich etwas verarscht fühlen, ziehe ich in ein Land, in dem es sich umgekehrt verhält. Leider übernehmen die geistigen manipulierbaren Unterschichten überall Oberhand, so dass es bald keinen Ort mehr geben wird, an den man vor der Manipulation durch radikale „Lebensschutz“-Politiken fliehen kann. Ich bin übrigens auch Patientin, und Sie können gerne meinen Lebensgefährten fragen, falls Sie einen „Beweis“ dafür wollen. Ich weiß, was Leiden bedeutet.

  2. strichfilosof schreibt:

    Erlaubte mir auf meiner Seite diesen Artikel mit einigen Gedanken zu „würzen“😉 Natürlich auch einen Link gesetzt! Ein „Bonmot“:
    …Bald wird die Kirche meinen, auch Eizellen und Samenzellen leben! Zumindest sehen die Spermien unter dem Mikroskop betrachtet, sehr „quicklebendig“ aus ?
    LG
    Freddy
    http://radio-schwachsinn.blogspot.com/2011/07/wieso-halten-die-pfaffen-nicht-das.html

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