Mit Mutterkreuz-Mutti in der Buchhandlung

Neulich war ich um sechs Uhr abends in einer Heidelberger Buchhandlung. Ich fand dort nur eines von meinen zehn gesuchten Büchern, daher hatte ich es an der Kasse eilig- ich musste ja noch weitere Buchhandlungen abklappern. Vor mir stand eine junge Dame und vor dieser eine Mutter mit Kind weiblichen Geschlechts im Grundschulalter. Ich stand da mehr als zwanzig Minuten bei sengender Hitze, während die Mutti sich mit der Verkäuferin austauschte. „Einzeln oder zusammen einpacken?“ „Getrennt bitte, das sind ja verschienene Geschichten und dies und das blablabla.“ Jetzt begann die Verkäuferin also, die fünf Kinderbücher mit größter Sorgfalt einzeln einzupacken- die Ewigkeit kam mir noch nie so ewig vor-, während die Mutterkreuz-Mami erzählte, dass die Patricia jetzt dasselbe Buch und dieselben Assecoires zum Geburtstag bekommen wird, wie die Anna-Lena sie hat und dass sie da ganz wild auf dieses und jenes Detail aus diesem und jenem Buch sind und was das für ein toller Spass ist und ich konnte kaum mehr auf meinen Füßen stehen- denn die Kassiererin hat wirklich lange eingepackt, als ginge es hier um ein Spenderorgan und nicht um eine Verpackung für ein Balg, das sie gleich aufreißen würde, um zu sehen, ob es auch das Buch von seiner Wunschliste ist (heute gibt es keine falschen Geschenke- die Mutterkreuz-Mütter sprechen sich da ab, um dem Balg die größtmögliche Freude zu bereiten). Jedenfalls, nach ewigem Einpacken und Gefasel war es dann soweit- mir rannte der Schweiß von der Strin an die Zehen und Mutti, nach einer letzten Erzählung über die tolle und lustige Hexe wasweißichwas und wie die Patricia in der Lesestunde dies und das macht, zahlte endlich- extra langsam, dass sie noch eine Geschichte dazwischen einschieben konnte. Die Dame vor mir wollte eigentlich nur fragen, ob sie an der Kasse ihr Buch abholen könne- das konnte sie nicht. Da war sie sicher total happy, sich den Scheiß 20 Minuten lang mitangehört zu haben. Und ich war erst glücklich. Denn jetzt würden die Buchhandlungen bald schließen, aber ich hatte mir dafür schöne Mutter-Kind-Geschichten anhören dürfen. Liebe Buchhandlungen und sonstige Geschäfte- machen Sie doch bitte eine Kasse für die normalen Menschen, die an der Kasse höchstens zwei Minuten verbringen möchten, und eine Kasse für Mütter mit Bälgern. Da können sich diese zu nichts als Kinder werfen und beäugen taugenden Weiber dann so richtig auslassen! Ich habe es satt, überall (ob im Flieger, in der Bahn oder eben im Geschäft) als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden, weil den Müttern mit ihren Bälgern und ihren Kinderwägen überall Vorzugsbehandlung zukommt. Mutter sein ist keine Krankheit, die haben sich das bewußt ausgesucht und die sollen gefälligst nicht als etwas Besonderes behandelt werden. Was ist mit Menschen, die sich bewußt entschieden haben, kein Balg zu werfen? Sind wir hier im Dritten Reich oder was?

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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2 Antworten zu Mit Mutterkreuz-Mutti in der Buchhandlung

  1. buchstaeblich schreibt:

    (breit grinsend und nickend zustimmend)
    Manchmal fragt man sich ernsthaft warum man so gute Manieren hat und wieso Mord eigentlich verboten ist, gell?😉

  2. ruthwitt schreibt:

    Weil die quasi-faschistische Polizei und selbiger „Rechtsstaat“ samt germanischem Volkskörper das sicher nicht verstehen würden;)

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