Das Unbehagen am Fremden

Jeder kennt es, und niemand von uns gibt es zu- das Unbehagen am Fremden. Es ist ein Gefühl aus der Urzeit, aus den ersten Tagen der Menschheit, und wir, die braven verklemmten Bürger,verleumden es und heucheln ein kosmopolitisches Wesen, das für die Mehrheit von uns ein unnatürliches ist. Und weil wir solche Heuchler sind, sind auch unsere Gesetze und unsere politischen Debatten heuchlerisch. Wir vertiefen uns nicht hinein in die ganz alltäglichen Reflexe, die uns eigen sind, wenn wir auf etwas Fremdartiges treffen. So gelte ich als politisch inkorrekt, wenn ich es als inkorrekt erachte, dass meine asiatischen Nachbarn eine Armee an Schuhen vor ihrer Haustür stehen haben. Aber gerade mit den Schuhen fängt alles an! Es ist unser Urinstinkt. Und es geht weiter mit Düften und Aromen. Wir finden andere Länder vielleicht interessant, doch wir riechen generell anders, als Menschen aus anderen Ländern- der ölige asiatische Duft eines Menschen ist vollkommen anders als unser WC-5-Duft- und Westeuropäern ist ihr eigener Duft eben angenehmer. Und das ist doch nicht falsch, oder? Und so gerne ich Forschungen über Staaten bzw. Länder wie Pakistan oder Afghanistan betreibe, ich bin dann doch froh, wieder den gewohnten WC-5-Duft um mich herum zu haben, denn das Ölige ist mir wirklich lästig. Ich gebe es offen zu- es ist mir lästig und hat sogar zu Migräne geführt. Wir müssen endlich in den politischen Debatten verstehen lernen, dass solche Eigenheiten wichtig sind, wenn wir über andere Kulturen und Völker sprechen. Das bedeutet nicht, dass im Grundgesetz ein Dusch- oder Schuhgesetz stehen soll, und das ist auch gar nicht der Punkt. Es würde uns in der Ausländerdebatte (wer von uns keiner ist, werfe den ersten Stein) weiterbringen, uns über das Empfinden von Fremdartigkeit bewusst zu werden und darüber offen zu sprechen. Es gibt jedoch kein philosophisch begründbares Regelwerk, welches sagen würde, welche Kultur besser sei, obwohl wir dies in unseren deutschen Hausordnungen ununterbrochen tun. Diese Hausordnungen entstehen unter Vorspiegelung falscher Gründe wie beispielsweise Sicherheit und Ordnung, obwohl wir es nun einmal einfach nicht angenehm finden, eine Armee von Schuhen und sonstigem Kram vor des Nachbars Haustür zu sehen. Wie anders wäre es, würden wir nach demokratischen und/oder utilitaristischen Prinzipien vorgehen, oder noch besser, nach den „Facebook“-Prinzipien! Wenn eine genügend hohe Anzahl an Menschen sagt „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“, kommen die Schuhe halt hin oder weg. Demokratisch begründen lässt sich ein Verbot von gewissen Verhaltenseigenheiten nicht, aber wir leiden, wenn dieses Verhalten nicht untersagt wird. Die Diagnose ist nun gemacht, doch wie wir das Syndrom der Verhaltenseigenheiten und der dazugehörigen oder nicht dazugehörigen Regeln kurieren sollen, auf solcherart Vorschläge wartet unsere demokratische Gesellschaft- und ich leider auch. Jemand eine Idee?

Über ruthwitt

Politikwissenschafterin. In Heidelberg studiert....
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2 Antworten zu Das Unbehagen am Fremden

  1. Ronny schreibt:

    Gratuliere zu dem Artikel. Sehr beeindruckend!

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